Institut für individuelles Coaching

Dr. phil. Sabine M. Bläsing

Coach für Vitalität

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TAG 25: Prioritäten neu setzen

Tages-Input:

Ich möchte für die Zeit im Norden nocheinmal zusammentragen, was dem Norden zugeschrieben wird. Wenn Süden für die Kindheit und Westen für das jüngere Ewachsensein steht, so ist der Norden dem gereiften Erwachsenen bzw. dem "alten Weisen" in uns zuzuschreiben. Diese Weisheit bezieht sich auf die gemachten Lebenserfahrungen eines ganzen Lebens, aber auch auf die kollektiven Erfahrungen, die über Generationen hinweg gemacht wurden und überliefert werden. Am Beispiel der Mediziner und Heiler war es in den unterschiedlichsten Kulturen so, dass das Wissen mündlich überliefert - oft auch als geheimes Wissen - von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Auch im Handwerk war das oft über mehrere Generationen hinweg so. Ich weiß sehr zu schätzen, dass dieses Wissen heute einer breiten Masse von Menschen zugänglich ist und so den elitären Charakter verliert, den dies als eine Schattenseite ebenso mit sich brachte. Wenn wir uns nicht um dieses Wissen bemühen, danach suchen oder es wiederfinden geht es verloren, denn wir erlernen es nicht mehr automatisch und nutzen es somit nicht mehr - im Kleinen wie im Großen. Meine Mutter hat noch einen ganz anderen Bezug zur Natur, Landwirtschaft, Nutztierhaltung und dem natürlichen Rhythmus der Jahrenszeiten z. B. was Pflanzen und Essen angeht, als ich es habe. Ich musste dies erst wieder in meiner Heilpraktiker-Lehrzeit und im Selbststudium erlernen. Meine Nichte hingegen studiert nun ökologische Landwirtschaft und ich freue mich sehr, dass sie früh erkannt hat, was wir zum Überleben hier auf diesem Planeten wirklich brauchen.

Attribute, die ein gereifter Erwachsener in sich vereint, sind das, was man als Lebenserfahrung bezeichnet. Es ist mehr als Wissen, es ist auch die Erfahrungswissen, um Dinge die klug, aber auch unklug sind. Norden hat etwas mit Bescheidenheit und Demut zu tun, weil sich im Alter Dinge relativieren und reduzieren auf das, was wirklich wichtig ist. Nehmen wir einmal an, wir würden als Menschheit jetzt im Norden stehen. Wie sollten wir uns dann verhalten? Wir haben viel erreicht, haben uns entwickelt, haben Neues erfunden. Wir  befinden uns ja tatsächlich im Zeitalter des Wissens seit der Wende in 2000. Doch es ist nicht nur unser intellektuelles Wissen, nicht nur der Fortschritt der Wissenschaften, die vielen Möglichkeiten (die uns auch zu Kopf steigen können, während wir über uns hinauswachsen). Norden heißt auch, altes Erfahrungswissen und neue Erkenntnisse miteinander zu verbinden. Ethik spielt hier eine ebenso große Rolle, wie Werte und eine ungetrübte Urteilskraft. Macht, Gier, Erfolgsstreben haben im Norden keinen Platz mehr. Es ist der Blick über den Tellerrand hinaus, der Blick von der Perspektive des Adlers auf das große Ganze, so wie ihn der Astronaut Gerster hatte und mit uns in seiner Betrübtheit geteilt hat. Norden hat die Fähigkeit Stopp zu sagen, wenn klar wird, das man sich verzettelt hat. Vieles von dem, was wir in den letzten 2 Monaten erlebt haben, war sehr stark mit Erfahrungen des Westens verbunden und wahrscheinlich werden wir kollektiv noch einige Zeit mit dieser Dynamik des Zusammenbrechens konfrontiert sein. Aber ich spüre parallel auch den Norden durchbrechen, wo sich der gesunde Menschenverstand bei vielen immer mehr durchdrückt.

Wir alle sitzen in einem Boot und die Frage ist, ob die Masse der Menschen bereits die geistige Reife des Alters in sich spüren kann? Vorhanden ist sie bei jedem zu jeder Zeit. Das ist das Gute an der Dynamik des Medizinrades. Denn wir haben immer auch alle Eigenschaften aller Richtungen in uns - manche sind nur stärker oder schwächer ausgeprägt. Was heißt das nun für uns Einzelne? Jede und jeder ist aufgefordert, sie frei zu machen von all dem Wirr Warr, in das es uns immer wieder verlockt reingezogen zu werden. Wir haben einen tiefen Kern an Erfahrungswissen, den wir mit unserem gesunden Menschenverstand befragen können und nachdem wir hoffentlich auch handeln dürfen.

Doch zuvor gilt es, sich zu entscheiden, wie ich in Zukunft durch diese Welt gehen will. Was für eine Welt möchte ich gerne mitgestalten? Wie soll diese aussehen? Im Osten werden wir uns damit noch intensiver beschäftigen, wenn es um das bildhafte Vorstellen geht. Jetzt kann es erstmal bedeuten zu sortieren, auszusortieren, Prioritäten neu zu setzen, pro und contra Listen zu machen, nicht Bewährtes zu verabschieden, endlich auf das zu hören, was die innere Stimme schon lange sagt. Ich weiß nicht an welchem Punkt ihr in eurem persönlichen Leben gerade steht. Aber stellen wir uns doch mal vor, wir wären alle in der Phase des höheren Lebensalters. Eines würden wir sicher alle gemeinsam nicht mehr machen - faule Kompromisse. Der Norden ist damit auch eine Chance der Reduktion auf das Wesentliche im Leben, Beruf und in Beziehungen - einfach weil die Zeit schwindet.

Entscheide Dich, was Dir wirklich wichtig ist und dann geh dafür - Schritt für Schritt - das ist Norden.

 Gutes Gelingen dabei, Divya Sabine Bläsing